Lorsch
Zweierlei weiß das Nibelungenlied von Lorsch: Ute, die Mutter Kriemhilds, soll das reiche Kloster Lorsch gestiftet und in seiner Nähe ihren Witwensitz eingerichtet haben. Und Kriemhild hat sich nach dem Tod Siegfrieds dorthin zurückgezogen und ihren geliebten Gemahl ze Lorse bi dem münster zur letzten Ruhe gebettet - in einem langen Sarge, wie es da im Epos heißt.
Um 1200 wusste jeder Gebildete um die herausragende wirtschaftliche, politische und kulturelle Bedeutung des Klosters Lorsch, das 764 tatsächlich von einer Dame gegründet wurde, Williswinda nämlich, der Gemahlin des ersten uns bekannten Vertreters der Rupertiner, aus der das französische Königshaus der Kapetinger hervorgegangen ist. Und Lorsch war auch Grablege eines Königs - einer ganzen Dynastie sogar: zwischen 876 und 882 wurden in einem eigens dafür errichteten Gruftbau König Ludwig der Deutsche, sein Sohn König Ludwig der Jüngere, und dessen Sohn Hugo begraben.
Heute künden freilich nur noch die so genannte „Königshalle“ von der reichen Vergangenheit, ein Fragment der alten Klosterkirche und ein Teil der Klostermauer. Die restliche Anlage ist nach der Aufhebung des Klosters (1557) zerstört worden, die Bibliothek ist in alle Welt verstreut. Das Kloster gehört seit 1991 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Weitere Informationen über Lorsch
|